Weniger Sex in langer Beziehung – ist das normal?

Sex gehört neben Geld und Tod, immer noch zu den grössten Tabuthemen.

Das sehe ich auch in meiner Arbeit als Paarberaterin.

Meistens wird das Thema Sexualität gar nicht angesprochen oder es wird erst nach ein paar Sitzungen zum Thema.

Wenn der Sex in der Ehe fehlt, ist es umso wichtiger, darüber zu sprechen – egal, ob in der Partnerschaft selbst oder im Rahmen einer Paartherapie.

Es gibt aber auch Paare, die mit wenig oder keiner Sexualität zufrieden sind.

Solange das für beide Partner stimmig ist, gibt es keinen Anlass, etwas daran zu verändern.

 

 

Weniger Sex in langer Beziehung - ein persönliches Versagen?

Dass die Sexualität im Laufe einer Beziehung abnimmt, ist kein individuelles oder partnerschaftliches Scheitern.

Studien, die Paare über mehrere Jahre begleiten, zeigen, dass sowohl die Häufigkeit von Sex als auch die sexuelle Zufriedenheit im Verlauf einer Beziehung tendenziell abnehmen.

Dieser Rückgang ist also kein persönliches Versagen, sondern ein weit verbreitetes und nachvollziehbares Muster.

     

     

      Warum wird der Sex in der Beziehung weniger?

      Die Gründe dafür sind vielfältig und oft ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. 

        Eltern werden

        Am häufigsten geht die Sexualität nach der Geburt des ersten Kindes zurück. Kein Wunder: Eine Geburt ist eine grosse Belastung für die Frau und hinterlässt Spuren am Körper. Da kommt es nicht selten vor, dass frischgebackene Mütter sich nicht mehr wohl in Ihrem Körper fühlen.

        Gleichzeitig beginnt für die Paare eine herausfordernde Phase : Schlaflose Nächte und neue Herausforderungen als Eltern, kann zu einer grossen Belastungsprobe der Paare führen. Unter diesen Bedingungen ist es kein Wunder, wenn einer oder beide Partner keine Lust mehr auf Sex haben.

        Einige Eltern finden nach der intensiven Zeit mit Kleinkindern wieder zurück zu einer erfüllenden Sexualität, aber bei vielen Paaren geht die Nähe immer mehr verloren.

         

          Veränderungen im Verlauf der Beziehung

          Aber auch unabhängig von Kindern verändert sich die Sexualität im Laufe der Zeit.

          Am Anfang der Beziehung ist man natürlich frisch verliebt, die Hormone spielen verrückt und sorgen in der Regel für eine intensivere Sexualität.

          Mit der Zeit flachen die Hormone wieder ab. Der Alltag rückt wieder mehr in Vordergrund und die Lust auf Sex kann zurück gehen.

           

            Herausforderungen des Lebens, Körper und Psyche

            Stress und schwierige Lebensphasen haben natürlich einen grossen Einfluss auf unser emotionales und körperliches Wohlbefinden und können unsere Lust auf Sex hemmen.

            Auch hormonelle Veränderungen, wie zum Beispiel in den Wechseljahren oder gewisse Medikamente können Einfluss auf die Sexualität haben.

            Bei Unsicherheiten kann es sinnvoll sein, dies ärztlich abzuklären. 

              Nicht zu unterschätzen sind zudem persönliche Themen, wie:

              • sich im eigenen Körper nicht mehr wohlfühlen

              • oder Angst beim Sex zu versagen

               

                Auch wenn ein Partner unzufrieden mit der Qualität des Sex ist und sich nicht getraut, die Unzufriedenheit anzusprechen, kann das zum Rückzug führen.

                Wie Sie hier im bisherigen Text sehen, hat vor allem unsere Psyche einen grossen Einfluss auf unsere Sexualität. Dies bestätigt auch der Sexualtherapeut Prof. Dr. Ulrich Clement :

                 

                  „Sexuelles Leiden erklärt sich weniger durch spezifisch sexuelle, als durch allgemeine psychische Beeinträchtigungen“

                   

                    Im Kontext zu meiner Arbeit als Paarberaterin lässt sich aber auch sagen, dass Konflikte in der Sexualität entstehen, wenn die Beziehung sowieso schon in einer Krise steckt.

                      Was tun bei weniger Sex in einer langjähriger Beziehung?

                      Wenn Sie noch nicht den Mut dazu hatten, sprechen Sie offen und ehrlich miteinander. Sprechen Sie über Ihre Gefühle, Wünsche und Ängste im Bezug auf Ihre Sexualität. Das ist ein erster grosser Schritt und kann das Problem gegebenenfalls schon lösen.

                        Wenn es Ihnen schwerfällt, alleine ins Gespräch zu kommen oder Sie sich immer wieder im Kreis drehen, kann Unterstützung hilfreich sein.
                        Ich begleite Sie gerne dabei, wieder mehr Verständnis füreinander zu entwickeln und neue Wege zu finden, einander wieder näher zu kommen.

                        Ein Paar liegt getrennt im Bett und hat in ihrer langen Beziehung weniger Sex
                        Gina Kleingutti, psychologische Beraterin und Paarberaterin in Frauenfeld

                        Autorin: Gina Kleingutti

                        Zertifizierte Paarberaterin und dipl. Psychologische Beraterin.