Unglücklich in der Beziehung

Wenn sie gerade unglücklich in Ihrer Beziehung sind, sind Sie damit nicht alleine.
Im Jahr 2024 veröffentlichte Ipsos, ein Unternehmen für Markt- und Sozialforschung, eine Studie über die weltweite Zufriedenheit in der Beziehung. Die Umfrage in 31 Ländern ergab, dass knapp 40 Prozent der Befragten nicht zufrieden in ihrer Beziehung sind.

Dass der Beziehungsalltag kein Selbstläufer ist, untermauert auch eine Studie der Universität Bern im Jahr 2021. Sie zeigt, dass die durchschnittliche Beziehungszufriedenheit im Alter von 40 Jahren und nach 10 Beziehungsjahren die durchschnittliche Beziehungszufriedenheit am tiefsten ist.

 

Die häufigsten Gründe für das Unglücklichsein in der Beziehung

Die Gründe für die Unzufriedenheit in der Beziehung sind vielfältig. Sie reichen von extremer Eifersucht über Suchtprobleme bis hin zu Uneinigkeit beim Thema Kinderwunsch.

In meiner Praxis erlebe ich am häufigsten folgende Themen:

    Die Kommunikation funktioniert nicht mehr:

    Viele Paare streiten sich immer häufiger und fühlen sich von ihrem Partner nicht mehr verstanden. Es wird laut und Verletzungen entstehen.

    Andersrum kommt es auch vor, dass sie nach einiger Zeit gar nicht mehr miteinander reden, um Konflikte zu vermeiden oder sie das Gefühl haben sowieso nicht vom Partner verstanden zu werden.

      Die verlorengegangene Nähe:

      Bei Paaren, die schon länger zusammen sind, geht die Nähe häufig verloren. Die Verliebtheitsphase ist schon länger vorbei und Herausforderungen wie Kinderbetreuung, beruflicher Stress und Haushalt dominieren den Alltag. Auch gegenseitige Verletzungen führen dazu, dass sich die Paare emotional voneinander entfernen.

        Die Veränderung der Sexualität:

        Meistens - und ganz klischeehaft 🙂 - erlebe ich in meiner Praxis, dass den Männern der Sex fehlt. Zu wenig Sex kann bedeuten, dass das Paar „nur“ alle paar Wochen oder Monate Sex hat oder auch seit Jahren keine Sexualität mehr besteht.

        Übergeordnet sind diese drei Themen in der Regel miteinander verknüpft und bedingen sich gegenseitig: Ständiger Streit führt zu emotionaler Distanz - und emotionale Distanz wiederum zu weniger Sex. Ein Teufelskreis.

        Ursachen für das Unglücklichsein in der Beziehung

        Konflikte und Uneinigkeiten sind normal in einer Beziehung. Es kommt nur darauf an, wie ein Paar damit umgeht.

        Leider wird uns in den meisten Fällen als Kind nicht beigebracht, wie wir mit solchen emotionalen Herausforderungen und Konflikten umgehen können.

        Auch äussere Umstände, wie Stress im Job oder ein Schicksalsschlag können zur Belastungsprobe einer Beziehung werden.

        Zusätzlich wird uns auch von aussen ein falsches Bild von der Liebe gezeigt:

        Überhöhte Ansprüche durch Medien

        Meiner Erfahrung nach können romantische Filme, Serien und Romane die Erwartungen an einer Beziehung nach oben schrauben.
        Wir sehen (oder lesen) Szenen von Männern die ihren Angebeteten hoch romantische Überraschungen kreieren, perfekten leidenschaftlichen Sex und Happy Ends die suggerieren, dass das Paar nun alle Hürden geschafft hat und für immer glücklich ist.

        Die Social Media Falle

        Der Konsum von sozialen Medien kann besonders bei jüngeren Paaren zu Zweifeln an der Beziehung führen. Wir werden überflutet mit Fotos von glücklichen Paaren in Abenteuerurlauben, beim romantischen Restaurantbesuch oder der perfekten Hochzeit.

        Laut einer Studie von Elite Partner, fühlen sich 15 % der Befragten von solchen Bildern unter Druck im eigenen Leben mithalten zu müssen.

        11% finden, dass der Partner/die Partnerin durch Social Media überzogene Ansprüche an die Beziehung stellt.

        Worum es in den meisten Fällen im Kern geht

        Wie oben beschrieben, sind der Umgang mit Konflikten und Emotionen wichtige Fähigkeiten für eine stabile Beziehung.
        Eine zentrale Rolle spielt dabei unsere frühe Kindheit.
        Haben wir mit unseren Eltern oder anderen wichtige Bezugspersonen in dieser Zeit keine gut emotionale Bindung erlebt, kann diese tiefgreifende Erfahrung unsere späteren Beziehungen beeinflussen.

        Haben wir als Kind beispielsweise das Gefühl vermittelt bekommen, nicht liebenswert zu sein oder unsere Gefühle zurückhalten zu müssen, kann sich das in unserer Partnerschaft zeigen.

        Das bedeutet aber nicht, dass wir unseren frühen Erfahrungen ausgeliefert sind.

        Wir können lernen, unsere eigenen Muster besser zu verstehen und neue positive Bindungserfahrungen in Beziehungen zu machen.

        Unglücklich in der Beziehung - was nun?

        Wenn Sie gerade unglücklich in der Beziehung sind, heisst das nicht, dass Sie als Paar versagt haben oder Ihre Beziehung gescheitert ist. Wir werden durch unsere früheren Erfahrungen und auch durch äussere Einflüsse geprägt.

        Der erste Schritt kann sein, nicht nur auf den einzelnen Streit oder das konkrete Problem zu schauen, sondern darauf, was Ihnen als Paar immer wieder passiert.
        Was steckt hinter dem Streit? Welche Gefühle und Bedürfnisse stecken wirklich dahinter?

        Wenn Sie sich im Text wiedererkannt haben und das Gefühl haben, alleine nicht mehr aus diesem Kreislauf herauszukommen, unterstütze ich Sie gerne mit meiner Paarberatung.

        Ein Paar sitzt im Bett und beide sind am Handy oder Laptop
        Gina Kleingutti, psychologische Beraterin und Paarberaterin in Frauenfeld

        Autorin: Gina Kleingutti

        Zertifizierte Paarberaterin und dipl. Psychologische Beraterin.