Die verschiedenen Beziehungsphasen und ihre Herausforderungen

In meiner Arbeit als Paarberaterin begleite ich Paare in unterschiedlichen Lebens- und Beziehungsphasen.

Eine Beziehung läuft selten gradlinig. Sie geht im Laufe der Jahre durch verschiedene Phasen, die ihre Herausforderungen mit sich bringen.

Manche Phasen können ein Paar stark verbinden, andere zur Belastungsprobe werden.

In diesem Blogartikel stelle ich Ihnen die verschiedenen Beziehungsphasen vor.

Wichtig zu wissen: Jede Beziehung ist einzigartig. Nicht jedes Paar erlebt alle Phasen gleich und nicht jede Herausforderung tritt in jeder Beziehung auf. Der Artikel dient deshalb nur als Orientierung.

 

Erste Beziehungsphase: die Verliebtheit

In der ersten Phase der Beziehung fühlen sich die Partner stark zueinander hingezogen. Sie möchten möglichst viel Zeit miteinander verbringen und finden einander interessant. Eigenschaften, die später vielleicht stören könnten, werden in dieser Phase häufig übersehen.

In dieser Phase gibt es meistens noch keine tiefgreifenden Probleme. Die ersten grossen Herausforderungen können entstehen, wenn es „ernst“ wird.

    Zweite Beziehungsphase: sich zueinander bekennen

    In dieser Phase ziehen viele Paare zusammen.
    Die erste gemeinsame Wohnung kann sich sehr aufregend anfühlen.

    Vieles verändert sich mit einem gemeinsamen Zuhause:
    Man sieht sich täglich.
    Schläft zusammen ein und wacht zusammen auf.

    Diese neue Nähe kann ein Paar sehr verbinden oder auch zu den ersten Konflikten führen. Manche Menschen geniessen das viele Zusammensein, während andere merken, dass sie mehr Freiraum und Rückzug brauchen.

    Auch Themen wie Haushaltsaufteilung, Ordnung oder Finanzen können in dieser Phase zu Spannungen führen.
    Durch das tägliche Zusammensein fallen dann auch immer mehr störende Eigenschaften des Partners auf.

    Auch eine geplante Hochzeit kann zur Belastungsprobe einer Beziehung werden.
    Unterschiedliche Vorstellungen über die Feier oder der Stress rund um die Planung können zu Konflikten führen.

    Manche Menschen bekommen kurz vor der Hochzeit plötzlich Zweifel oder Ängste, was aber auch völlig normal ist. Immerhin ist eine Hochzeit ein grosser emotionaler Schritt.

      Dritte Beziehungsphase: Kinder bekommen

      Ein Kind zu bekommen ist ein grosser Umbruch im Leben eines Paares.
      Das Paar ist nicht mehr nur ein Liebespaar sondern nun auch Eltern.
      Der Alltag verändert sich und die Eltern müssen sich in ihre neue Rolle einfinden.

      Gleichzeitig bringt die Phase oft grosse emotionale und körperliche Belastungen mit sich: Schlafmangel, Erschöpfung, wenig Zeit für sich selbst und ein grosses Verantwortungsgefühl für sein Kind. Viele Eltern erleben zudem, dass die Paarzeit und Sexualität in den Hintergrund rückt.

      Auch unterschiedliche Vorstellungen in der Erziehung oder Einmischung von Familienangehörigen können zu Spannungen führen.

      Manche Paare schweisst diese Phase noch näher zusammen, andere erleben eine zunehmende Entfremdung.

        Vierte Beziehungsphase: Auszug der Kinder

        Der Auszug eines Kindes kann für Mutter und/oder Vater zur Belastungsprobe werden. Mindestens 18 Jahre lang, haben die Eltern ihr Kind umsorgt und waren die wichtigsten Bezugspersonen. Plötzlich ist das erwachsene Kind „weg“ und bei den Eltern kann eine innere Leere entstehen.

        Und wenn dann alle Kinder aus dem Haus sind, beginnt wieder eine neue Beziehungsphase: Die Rolle als Eltern ist natürlich immer noch da und wird es auch immer sein, aber sie ist jetzt anders und steht nicht mehr im Vordergrund des Lebens.

        Jetzt können sich die Paare die Frage stellen: Was mache ich mit der Zeit in der ich mich sonst um die Kinder gekümmert habe?
        Wie verbringen wir als Paar den neuen Alltag ohne Kinder?

        Wenn sich das Paar bei diesen Fragen nicht einig ist und unterschiedliche Bedürfnisse und Vorstellungen von der neu gewonnen Zeit haben, kann das zu Konflikten führen

          Fünfte Beziehungsphase: Die Pensionierung

          Auch die Pensionierung kann zu Schwierigkeiten führen. Plötzlich ist deutlich mehr gemeinsame Zeit vorhanden und der bisherige Alltag verändert sich grundlegend.

          Manche Paare können die neu gewonnene Zeit miteinander geniessen. Bei anderen führen unterschiedliche Bedürfnisse nach Nähe, Freizeitgestaltung oder Rückzug zu Auseinandersetzungen.

          Zudem kann das Ende des Berufslebens bei einigen Menschen zu emotionalen Krisen führen. Über Jahrzehnte war der Beruf ein wichtiger Teil der persönlichen Identität und plötzlich fällt dieser weg.

          Ähnlich, wie nach dem Auszug der Kinder, muss sich das Paar wieder fragen: Was fangen wir jetzt mit der neu gewonnenen Zeit an? Wie viel Zeit wollen wir zusammen verbringen? Wie viel Zeit braucht jeder alleine?

          Sechste Beziehungsphase: Miteinander älter werden

          Viele Menschen fürchten sich davor: Die Zeit im hohen Alter.
          Sie ist von Krankheit, Verlust und Tod geprägt.

          Wenn ein Partner schwer erkrankt und auf Unterstützung angewiesen ist, kann dies für beide Seiten herausfordernd sein. Der gesunde Partner übernimmt oft viel Verantwortung und erlebt vielleicht Erschöpfung, Überforderung und wenig Zeit für sich.

          Der kranke Partner wiederum ist mit der Situation konfrontiert, auf Hilfe angewiesen zu sein und mit dem Gefühl, eine Last für seinen Partner zu sein.

          Eventuell kann auch eine Verbitterung in Erscheinung treten: Viele Menschen bereuen gewisse Entscheidungen am Ende ihres Lebens. Oder bereuen Dinge, auf die sie ihrer Beziehung zuliebe verzichtet haben.

            Wie lange dauern die verschiedenen Beziehungsphasen?

            Dafür gibt es keine pauschale Antwort. Das ist sehr individuell und hängt von verschiedenen Faktoren ab.

            Wenn zum Beispiel kurz nach dem Kennenlernen eine ungeplante Schwangerschaft entsteht, kann sich die Verliebtheitsphase verkürzen und das Paar wird schneller mit den Herausforderungen als Eltern konfrontiert.

            Auch die Familiengrösse kann einen Einfluss haben: Je mehr Kinder ein Paar hat, desto länger dauert meist die intensive Zeit als Eltern.

              Fazit: Konflikte und Krisen sind in Beziehungen ganz normal

              Jede Beziehung verändert sich im Laufe der Zeit und erlebt verschiedene Herausforderungen.
              Es ist also ganz normal, dass Konflikte und Krisen auftreten und kein Zeichen des Scheiterns.

              Manche Herausforderungen lassen sich als Paar gut bewältigen, bei anderen kann eine Paarberatung helfen, wieder mehr Verständnis, Nähe und Verbindung zueinander zu finden.

              Haben Sie sich vielleicht in einer der Beziehungsphasen wiedererkannt und wünschen sich Unterstützung?

              Dann vereinbaren Sie gerne ein kostenloses Erstgespräch mit mir.

              Paare in verschiedenen Beziehungsphasen
              Gina Kleingutti, psychologische Beraterin und Paarberaterin in Frauenfeld

              Autorin: Gina Kleingutti

              Zertifizierte Paarberaterin und dipl. Psychologische Beraterin.